19. Juli 2026
Die wilde Geschichte, wie wir zu unserem Wohnwagen kamen
Mieten war zu teuer, das Zelt zu unpraktisch fürs Arbeiten. Drei Tage vor der Abfahrt haben wir für 7.500 Euro einen gebrauchten Hobby aus 2003 gekauft, und damit unser gesamtes Erspartes in ein Stück Blech gesteckt.
Eigentlich klang der Plan ganz simpel: Wir mieten uns für acht Wochen ein Fahrzeug, fahren los, suchen unseren Lieblingsplatz und geben den Wagen am Ende einfach wieder ab. Doch dann kam der Realitätscheck in Form der Mietpreise. Plötzlich stand da diese Rechnung im Raum, die uns nicht mehr losließ: Am Ende der Tour wäre ein kleines Vermögen weg, ohne dass wir irgendeinen Gegenwert in den Händen hielten. Zudem verträgt sich ein starrer Mietvertrag mit festem Rückgabedatum ohnehin schlecht mit einer Suche, deren Ausgang völlig offen ist.
Also Plan B: das Zelt. Für etwa zehn Minuten klang das unfassbar günstig, romantisch und herrlich nah an der Natur. Dann fiel uns ein, dass wir zu dritt sind und keinen Urlaub machen. Wir müssen von unterwegs arbeiten, recherchieren, telefonieren und schreiben. Ein Büro im Zelt? Das funktioniert an genau null von sechsundfünfzig Tagen.
Es musste also etwas Eigenes her. Da man das eben so macht, führte uns der erste Weg schnurstracks zum Händler. Der erklärte uns überaus freundlich, was man heutzutage angeblich alles zum Überleben braucht, von der Klimaanlage bis zur Fußbodenheizung. Was wir für diese Erkenntnis vor allem gebraucht hätten, wäre ein deutlich größeres Budget gewesen, weshalb wir den Hof ziemlich schnell wieder verließen. Damit war klar: Wir suchen gebraucht.
Auf mobile.de setzten wir unsere Filter und hatten prompt jenes unverschämte Glück, das man für so eine Aktion braucht. Schon am nächsten Tag ploppte ein Angebot auf, das wie für uns gemacht schien: Ein Hobby Deluxe, Baujahr 2003, verkauft von einem Tierarzt, dessen Familie sich mangels reisewilliger Kinder auf einen VW Bus verkleinert hatte. Wir fuhren hin, und ein einziger Blick reichte. Preis, Größe, Gewicht. Das war er. Viel Zeit, die Entscheidung zu zerdenken, blieb uns ohnehin nicht, denn in drei Tagen sollte die Tour bereits losgehen. Also kratzten wir 7.500 Euro aus all unseren Ersparnissen zusammen, mit der festen Hypothese im Hinterkopf, das Geld am Ende der Reise durch den Wiederverkauf wieder reinzuholen. Mal sehen, ob wir recht behalten.
Ausstattungstechnisch ist der Wagen schnell zusammengefasst: Er bietet einen Herd, einen Kühlschrank und einen Wohn- und Essbereich, der sich tatsächlich als Arbeitsplatz eignet. Das absolut Wichtigste aber sind die drei getrennten Schlafplätze. Wenn man acht Wochen auf engstem Raum zusammenlebt, ist der eigene Quadratmeter zum Ausstrecken kein Luxus, sondern pure Grundausstattung. Alles andere (Mover, Klimaanlage und der ganze technische Schnickschnack vom Händler) glänzt durch Abwesenheit. Und wir brauchen es auch nicht.
Die restlichen drei Tage bis zur Abfahrt wurden dann zum ultimativen Test unseres Netzwerks. Ein Kumpel besorgte den rettenden Zulassungstermin, unser Haus-und-Hof-Versicherungsmann machte die Police klar, und das alte Kennzeichen durften wir unbürokratisch behalten. Die wahre Heldin aber war Jeremys Oma Doris. Sie half nicht nur beim Einräumen, sondern sorgte auch dafür, dass wir bestens ausgestattet in dieses Lebensprojekt starteten, ein legendärer Eierlikörkuchen inklusive. Schließlich startet man so eine Reise nicht ohne ordentlichen Proviant.
Als das Ding dann unterschrieben und bezahlt vor der Tür stand, kippte plötzlich die Stimmung. Vorher war das Ganze nur ein loses Projekt, bei dem man schaut, ob es irgendwie klappt. Jetzt steckt unser gesamtes Erspartes in diesem Blech, und es muss einfach funktionieren. Der Ball liegt bei uns. Und während Jeremy, unser rettender Anker mit dem einzigen BE-Führerschein der Truppe, das Gespann mit einer beruhigenden Souveränität auf die Straße lenkt, wissen wir: Jetzt geht es wirklich los.